Wundervolles Island - Episode 2: Was die Isländer von uns Deutschen denken.

Andere Länder, andere Sitten.
Location: Hier und da, Island

Nach unserem letzten Beitrag 'Was wir von den Isländern lernen können', kam mehrfach die Frage auf, was denn die Isländer eigentlich von uns Deutschen hielten - dem wollen wir uns heute widmen. Wir haben natürlich nicht jeden einzelnen Isländer interviewt, daher ist das Ganze selbstverständlich nur ein kurzes Anreissen, basierend auf eigenen Erfahrungen und privaten Gesprächen und keine wissenschaftliche Forschung, die wir mit diesem Beitrag abschließen - aber in den letzten zwei Jahren haben wir doch so einige Einheimische getroffen, die uns nur zu gern haben wissen lassen, was sie von unserem Völkchen so denken und wie sie zu Deutschland stehen. Zwei Dinge kann man dabei direkt hervorheben: Bratwurst und Rammstein. Jawohl, ganz recht, die Isländer lieben, wie so ziemlich alle, (die nicht in Deutschland leben,) fettige, gegrillte, überwürzte Bratwurst. Aus ganzem Herzen. Selbiges gilt für Rammstein. Das Konzert vor einer Woche war ausverkauft bis zum letzten Plätzchen, 13.000 Menschen (und das ist für ein so kleines Völkchen verdammt viel !!!) haben mitgegröhlt und mit deutschem Bier angestoßen - noch so eine Sache, die man an den Deutschen sehr schätzt! :D Unsere beiden Männer kennen die meisten Lyrics auswendig, ihre Deutsch Grundkenntnisse setzen sich tatsächlich aus Songs der Band zusammen. (Lustiger Fun Fact noch am Rande: die Vorband war HAM, deren Frontman kein anderer ist, als der isländische Gesundheitsminister höchstselbst... Only in Iceland!) Viele lernen hier in der Schule schon unsere Sprache (als Drittsprache, neben Englisch und Dänisch) und haben daher sowieso von Kindesbein an einen gewissen Bezug zu 'Þýskaland'. Viele junge Menschen waren bereits in Berlin oder auf dem Oktoberfest (klar!), viele Ältere im Schwarzwald, den Alpen oder an der See (klar!). 

Doch was denken sie von uns Deutschen, wie sehen sie uns was Charakterstärken und Schwächen angeht? Effizient, pünktlich, zuverlässig, machen die besten Autos - das Klischee bleibt an uns haften Leute, es ist wie es ist! :D Unsere beiden Jungs schätzen das aber tatsächlich sehr an uns beiden, sagen stets, dass sie von unserer Effizienz und Ordnung nur lernen können. Sie sagen zudem, wir hätten ausgesprochen gute Manieren, etwas, was bei den Isländern im Allgemeinen eher locker gesehen wird. Sehr locker! Den Kopf führt man hier zur Gabel, nicht umgekehrt, es wird laut geredet, gerülpst, wo immer man sich auch gerade befindet, gekleckert, geschmatzt - ja, der Wikinger kommt hier nur zu gern noch durch. Auch wenn unsere beiden (zu unserem großen Glück) von Anfang an nicht ganz so 'barbarisch' unterwegs gewesen sind, so war das für uns doch eine ganz schöne Umstellung. Ist man hier auf Parties oder zum Essen bei Einheimischen eingeladen, dann geht das nicht so gesittet zu, wie wir es von zu Haus gewohnt sind. Die Jungs sehen das Ganze zwiegespalten - auf der einen Seite finden sie es gut, sich international nun etwas besser darstellen zu können, wenn es um die Grundregeln des Knigge geht, auf der anderen Seite denken sie, wir zwei könnten uns ruhig mal ein bisschen lockerer machen. Unsere organisierte Arbeitsweise wiederum bewundern sie sehr - wir schaffen an einem Tag doppelt so viel, wie der 'Isländer an sich'. (Wir haben das neulich beim Haus-Anstrich gegenüber beobachtet. Was hier drei Tage dauerte, wäre in Deutschland an einem erledigt gewesen. Man nimmt sich deutlich mehr Zeit und Pausen, von übermäßigem Druck hält hier niemand was.)

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Auch unsere Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ist etwas, wovon man sich gern eine Scheibe abschneiden würde. Denn wenn man eins pauschalisierend über die Isländer sagen kann (klar, Ausnahmen gibt es immer) - Pünktlichkeit wird hier klein geschrieben. Winzig klein. Wenn man um 19Uhr eingeladen ist, dann bedeutet dass, man erscheint so zwischen 17 und 21 Uhr, je nachdem, wie man halt so aus den Puschen kommt. Wenn man sich um 15Uhr am Nachmittag in der Sonne verabredet, dann bedeutet das übersetzt so viel wie 'wir sehen uns heute im Laufe des Tages im Park'. Ergo, man wartet. Immer und auf alle. Oder man wird mit einem zu frühen Eintreffen überrascht, während man noch ungeduscht am Herd steht. Eigentlich kann man diese Einstellung als eine gute Sache übersetzen, denn schließlich stresst sich niemand unnötig und keiner ist sauer, wenn mal wieder jemand zu spät kommt - aaaber, bei Business Terminen und anderen Absprachen, bei denen die Uhrzeit essentiell ist, da nervt das ganz schön. Jetzt, wo die beiden auf den Geschmack von Pünktlichkeit gekommen sind, da wissen sie es sehr zu schätzen, dass man sich auf Ansagen verlassen kann und ändern auch ihre eigenen Gepflogenheiten. Selbiges gilt für die allgemeine Sauberkeit der Wohnung, denn auch da verschwendet man im Allgemeinen nicht zuviel Lebenszeit drauf. Betten machen? Völlig überbewertet! Gut, wir waren jetzt nicht in hunderten Wohnungen, aber die, in denen wir waren, da war es immer eher ... wie nennen es mal 'gemütlich rumpelig'. ;) 

Im Grunde mögen die Isländer die Deutschen also. Volkswagen ist ein klasse Auto, die großen Tugenden unserer Nation findet man sehr ansprechend, die deutschen Großstädte schön, das Essen lecker und generell haben wir hier noch niemanden sagen hören, er hielte nichts von den Deutschen. Andere Touristen-Gruppen kommen da schon schlechter weg. Trotzdem gibt es auch Dinge, die nicht so gut ankommen. Dass wir so oft unter Druck stehen und diese Nervosität auf andere übertragen. Dass wir soviel durchplanen, Isländer sind eher spontan. Manches finden sie auch verklemmt - zum Beispiel, dass wir uns nie an einem fremden Kühlschrank bedienen würden. Wird man hier in jemandes zu Hause eingeladen, so soll man sich dort ebenfalls zu Hause fühlen. Getränke werden einem nicht angeboten, man nimmt sie sich einfach. Die Couch ist zum Lümmeln da, das Bad muss man nicht gleich abschließen, wenn man es nutzt - generell sieht man hier einfach alles sehr viel lockrer. Wir zwei fallen dann schon auf, wenn wir kerzengerade auf der Couch sitzen und uns nicht trauen, die Hand tief in die Chips zu graben und und selbst einen Drink zu mixen. 

Wer jetzt denkt: 'Was für Klischees!', dem müssen wir zustimmen. Aber so ist es nunmal, kulturelle Differenzen sind wie sie sind und im Endeffekt kann man das Ganze auch einfach mit einem Schmunzeln sehen. Natürlich ist nicht jeder Deutsche so, wie die Isländer uns beschreiben und nicht jeder Isländer so, wie wir das Bild jetzt gezeichnet haben. Aber die Grundtendenzen sind da, es sind die Werte, mit denen wir jeweils aufwachsen. Vor zwei Jahren hätten wir sicher selbst noch den Kopf geschüttelt, aber heute, wo wir so eng mit einer etwas anderen Kultur zusammenleben, da sehen wir diese (anerzogenen) Unterschiede. Es hat sicherlich viele Gründe, warum Nationen verschieden sind, bei Island liegt es vor allem daran, dass das Land und die Bevölkerung erdgeschichtlich noch sehr 'jung' sind. Auch wenn es albern klingt, aber der Wikinger liegt hier einfach noch nicht so lang zurück, man lebt daher zum einen enger mit der Natur und geht zum anderen anders miteinander um. Familiärer und entspannter und ja, für unsere mitteleuropäischen Verhältnisse auch roher. Nicht respektlos, aber eben weniger 'gesittet'. Knapp 330.000 Menschen leben auf dieser doch sehr großen Insel, die so abgeschieden im Nordatlantik liegt - dass es da Unterschiede zu einem 82 Millionen Einwohner Land gibt, ist logisch. Und unser Ruf, der eilt uns voraus. Hat sicher auch was mit Exportschlagern und den Medien zu tun. Wir finden es jedenfalls ziemlich lustig, wenn wir uns in den Beschreibungen über 'den typischen Deutschen' wiederfinden. Und wir finden es schön, wie wir hier voneinander lernen können. Pünktlichkeit und Effizienz für die Jungs und etwas mehr Entspannung für uns zwei!

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4 Comments

Helena 1 month ago

Schöner Beitrag! Ich lebe gerade in Spanien und einige Dinge in diesem Land sind so anders! Die Punkte, die ihr den Deutschen zuschreibt, erlebe ich ganz genauso. Die Spanier*innen sind viel offener und reden wirklich über alles. Tabuthemen gibt es nicht und wenn man sich da mal drauf eingestellt hat, kann das echt lustig sein. Was mir auch gut gefällt ist, dass sie nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen und sich nicht so schnell angegriffen fühlen. Die Isländer*innen klingen auf jeden Fall sehr sympathisch! Liebste Grüße aus Madrid an euch von Helena

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Eve 1 month ago

Ja jeder Jeck ist anderen. Auch die Deutsch*innen

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Charlotte 1 month ago

Mal wieder ein toller Beitrag. Ich finde es unfassbar interessant, eure kulturbezogenen Posts zu lesen, in denen es um Island geht. Ich freue mich schon total auf den nächsten Text in dieser Kategorie :)

Und übrigens, ich kann es total bestätigen, was ihr schreibt. Ich habe 1,5 Jahre in den Niederlanden studiert und festgestellt, dass wir auch dort unseren Ruf weg haben. Da ich dort auch gearbeitet habe, habe ich allerdings auch gemerkt, dass wir viel effizienter und praktischer sind als die Holländer. Also irgendwie ist an den Klischees schon was dran :D

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Ruth 3 weeks, 6 days ago

Wirklich interessanter Beitrag. Erinnert mich sehr an die Iren, die sind den Isländern offensichtlich sehr ähnlich.

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